geheimpunkt

GeheimPunkt ist eine kleine Geocaching Firma aus Hannover, welche verschiedene angepasste Caching-Touren für Touristen anbieten. Vor kurzem erstellte GeheimPunkt zudem die erste GeoTour in Deutschland und legte dafür 19 musikalische Caches. Zeit um Daniel mal ein wenig auszufragen.

danielHallo Daniel, kannst Du Dich und deine Geocaching Firma GeheimPunkt kurz vorstellen.
Hallo Frank. Klar kann ich das: Ich habe die Firma gemeinsam mit meinem Kollegen Christian (Team Gummiseele) vor 3,5 Jahren gegründet. Wir haben damals gemeinsam ein großes Geocaching-Projekt umgesetzt (Hannopoly) und haben dabei festgestellt, dass wir uns gut ergänzen. Gestartet haben wir mit einem Geocaching-Webshop (Cache Up), den wir allerdings mittlerweile eingestellt haben. Schon schnell war klar, dass es und mehr Spaß macht, Touren vorzubereiten und zu begleiten. Daher konzentrieren wir uns seit 3 Jahren auf geocaching-basierte Teamevents und private Veranstaltungen wie Geburtstage und Junggesellenabschiede.

Klingt interessant, um was handelt es sich denn bei dem Projekt „Hannopoly“?
Das war eine stadtweite Geocaching-Reihe, bei der wir in allen Straßen, die auf dem Monopoly-Spielplan vorkommen, recht aufwendige Caches versteckt haben. Diese konnte man auf einer begleitenden Website auch „kaufen“ (mit Spielgeld) und Mieten einnehmen, Ereigniskarten ziehen usw. Hier ein Bookmark, die meisten sind mittlerweile archiviert, weil der Aufwand auf ehrenamtlicher Basis einfach zu groß war.

Okay, dass kann ich verstehen. Klingt aber nach einer echt guten Idee, wovon ihr sehr viele zu haben scheint.

Könnt ihr eigentlich vom Geocaching leben oder macht ihr noch etwas anderes um eure Familien zu ernähren?
Christian arbeitet noch als Lehrer, ich mache das hauptberuflich seit 2 Jahren. Reich werde ich nicht aber meine Familie (Frau und 3 Kinder) kann ich ernähren. Und es macht unheimlich viel Spaß! Mittlerweile beschäftigen wir auch Mitarbeiter.

Was mich zu eurer Firma noch interessiert, wie erhaltet ihr neue Teilnehmer für eure Touren. Kommen diese übers Internet oder über die Touristen-Informationen oder über eine andere Marketing-Maßnahme?
Was uns sehr freut: die meisten Kunden kommen auf Empfehlung anderer Kunden zu uns. Das ist für uns auch eine gute Rückmeldung, denn das heißt, wir machen offensichtlich empfehlenswerte Arbeit. Es sind meist Firmen, die das als Incentive oder Teamevent buchen. Touristen eher weniger, wobei wir mit der Touristen-Info hier gut zusammenarbeiten.

Okay Mundpropaganda ist natürlich nach wie vor die beste Werbung! 🙂 

Wenn Du beruflich viel mit Geocaching zu tun hast, wie sehen da so deine privaten Caching-Aktivitäten so aus? Bleibt da auch noch Lust in der Freizeit ein wenig zu cachen?
Lust schon aber wenig Zeit. Es hat sich auch viel geändert. Ich habe früher 20 Dosen pro Woche gesucht, dabei keine Unterschiede zwischen Leitplankenmikros und Qualitätscaches gemacht. Heute filtere ich mehr und suche im Durchschnitt einen Cache pro Woche. Ich habe da so eine „Männerrunde“, wir „trainieren“ gemeinsam für die GC-Stadtmeisterschaften, bei der wir auch schon qualifiziert sind. Als Trainingsobjekt suchen wir uns meist einen aufwendigeren Cache aus, für den wir dann auch mal etwas weiter fahren. Mehr Spaß am Hobby habe ich heute. Auch schön ist, dass ich Tradis im Umkreis von 500 m um mein Haus liegen lassen kann und trotzdem ruhig schlafe. Früher wäre ich spätestens 5 Stunden nach Publish da gewesen.

So geht es wahrscheinlich vielen Cachern, am Anfang nimmt man jeden mit, dann entscheidet mehr die Qualität statt Quantität.

geotour

Ihr habt ja vor kurzen die erste deutsche GeoTour auf die Beine gestellt. Wie kamt ihr auf diese Idee, wie sah die Zusammenarbeit mit Groundspeak und der Stadt Hannover aus? Welches Feedback habt ihr bereits von den ersten Findern erhalten?
Da muss ich ein wenig ausholen: Anfang 2013 hat eine Mitarbeiterin von AHA (dem regionalen Abfallentsorger) eine Tour bei uns mitgemacht. Das hat ihr so gut gefallen, dass sie im Anschluss gefragt hat, ob wir auch Geocaches „für alle Bürger/Kunden“ konzipieren würden. Wir haben also ein Konzept ausgearbeitet für den Umbau von 12 Streugutbehältern und Mülltonnen zu anspruchsvollen Geocaches. Diese sollten auf den Wertstoffhöfen und im öffentlichen Raum platziert werden. Parallel haben wir bei Groundspeak angefragt, wie man solche Caches mit einem kommerziellen Hintergrund (Imagebildung des Unternehmens) veröffentlichen könnte. Ich wusste, es gibt das „partnered cache“ Attribut und dachte, das könnte man so regeln. Daraufhin wurde mir das Konzept der GeoTour vorgestellt, welches von Groundspeak für Kommunen und Unternehmen zur Verfügung stellt, damit diese Geocaching primär zu Tourismuszwecken nutzen können. Da wir in dieser Phase sowieso in Gesprächen mit Hannover waren und AHA ein Tochterunternehmen der Region Hannover ist, lag es nahe, das zu kombinieren. So wurde also beschlossen, für Hannover eine GeoTour aufzulegen, in welcher die AHA Caches und eine weitere thematische Serie enthalten sein sollen.

Die Zusammenarbeit mit Groundspeak und auch mit einem Reviewer war sehr erfreulich und fruchtbar. Für Stadt und Region Hannover war und ist das ein sehr spannendes und schönes Projekt. Wir haben guten Input bekommen und von allen Seiten Unterstützung erfahren.

Die ersten Effekte sind toll:

  • SCHAHATZSUCHE (20.03.2014): 815 Favoriten-Punkte, 2962 Funde
  • MUSIK (20.03.2014): 155 Favoriten-Punkte, 357 Funde.

Das heißt, nach einer Woche gab es schon 357 Funde und 155 Favoriten-Punkte bei 17 Caches. Ich denke, das ist ganz ordentlich.  Das Thema „Musik“ ist auch gerade besonders passend, weil Hannover sich um den Titel „UNESCO City of Musik“ beworben hat. Bei den Recherchen haben wir auch unglaublich viel gelernt.

Geocaching.com Infoseite: Geoheimnisse der Region Hannover GeoTour

Wow, die Zahlen sprechen echt für sich, dieses Jahr will ich die 29 Caches von euch auch noch machen und freue mich schon sehr darauf.

In der Online-Community liest man von manchen auch, dass sie an der Tour das Kommerzielle stört, wie geht ihr eigentlich mit solchen Kommentaren um?
Also zunächst einmal sind die Caches ja für die Cacher kostenfrei, sogar für alle Basis-Member. Eintritt muss auch nirgends gezahlt werden und es gibt nirgendwo eine Verkaufsabsicht. Zudem sind die Caches sehr hochwertig und machen Spaß. Es hat also kein Cacher irgendeinen Nachteil. Darüber hinaus bieten wir der Community auch immer wieder an, sich an den Caches zu beteiligen. Wir hatten Hilfe von einigen Ownern, deren Material und Arbeitszeit wir vergütet haben. Die Projekte bieten also die Gelegenheit, evtl. lange gehegte Ideen in einem guten Rahmen umzusetzen. Wer will, kann also am kommerziellen Anteil Teil haben. Kritik gibt es natürlich trotzdem. Wir versuchen, dieser mit Transparenz zu begegnen. Die Caches sind ja auch mit dem Attribut gekennzeichnet und können so leicht in den PQs ausgefiltert werden.

Das ist ein echt gutes Argument, obwohl ich es nie schlimm finde, auch mal was für mein Hobby zu bezahlen. Das ist ja bei anderen Hobby eigentlich auch so.

Die Caches wurden ja nun gelegt, wie geht es hier nun weiter, was die Wartung und Anfragen von Cachern betrifft?
In dem Vertrag mit der Stadt ist ein Jahr Wartung enthalten. Das beinhaltet auch das Beantworten von Fragen, es gibt im Durchschnitt zwei Anfragen pro Tag. Nach dem Jahr soll das auf jeden Fall weitergehen, es wird dann ein Pflegevertrag aufgesetzt. Außerdem wird die GeoTour etwa im Halbjahresturnus erweitert. Für August sind die nächsten 20 Caches zu einem neuen Thema geplant.

So eine Erweiterung klingt echt spannend und wird bestimmt viele sehr freuen, immer mal wieder in die Region zu kommen.

Was mich noch interessieren würde, inwieweit ist eure GeoTour barrierefrei, gibt es auch Caches welche von Rollstuhlfahrern mit oder ohne einem Freund absolviert werden können?
Alle Caches innerhalb der GeoTour haben max. eine T-Wertung von 2. Bei den meisten ist auch das Rollstuhl-Attribut gesetzt. Es gibt zwei Caches, die man auf jeden Fall zu zweit machen sollte, weil man mindestens 3 Arme braucht. Wir haben bei der Konzeption sehr auf dieses Kriterium geachtet, ebenso auf Umweltverträglichkeit und Vermeidung von Konflikten mit Anwohnern und Behörden. Schließlich sollen alle, auch die Umgebung, Freude an der Sache haben.

Was wünscht Du dir in Zukunft noch von Groundspeak?
Ich finde, die GeoTour ist ein schönes Tool. Wir werden sicher noch weitere umsetzen. Wir könnten das potenziellen Kunden noch schmackhafter machen, wenn es für die Absolvierung der Tour ein spezielles Cache-Icon oder wenigsten ein frei gestaltbares Souvenir geben würde. Das haben wir zurück gemeldet und wenn ich es richtig verstanden habe, wird daran gearbeitet. Außerdem wäre ein „kleine“ Variante der GeoTour schön. Nicht jedes Unternehmen oder jede Kommune möchte 3500 $ für die GeoTour an Groundspeak zahlen, besonders wenn nur sehr wenige Caches geplant sind. Eine GeoTour kann ja bis zu 150 Caches umfassen. Für „kleine“ Kunden reichen ja manchmal auch ein oder zwei Caches.

Da gebe ich Dir Recht und mit einer so hohen Summe hätte ich eigentlich gar nicht gerechnet. So das waren nun meine Fragen, ich danke dir sehr, dass Du dir die Zeit genommen hast um meine Fragen zu beantworten und hoffe, dass wir uns vielleicht mal persönlich kennen lernen, mir hat das Interview echt gefallen.

Wenn ihr auch eine Frage an Daniel habt, dann könnt ihr diese einfach in den Kommentaren stellen.


interessante Weblinks vom Interview

Die Fotos stammen von der Fotografin Nina Weymann-Schulz

2 KOMMENTARE

  1. Ein sehr interessantes Interview. Das mit der GeoTour habe ich so noch gar nicht gewusst und finde ich eine sehr gute und interessante Möglichkeit.

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